Munich – Scotland – Der Clip

September 29th, 2012

 

Statistiken:

Strecke: 3031 KM in 191:21 Stunden
Bergauf:  21105 M über 472 KM
Bergab: 20951 M über 546 KM

Tag 42-46 – Mission Complete!

September 21st, 2012

Amsterdam.

Das wird der letzte und ein langer Post! Holt euch am besten einen Kaffee, oder ein Bier.

Wie schon im vorherigen Post erwähnt: Supercooles Hostel hier in Berwick Upon Tweed! Sauber, durchdesigned, cooles Personal – und das Frühstück am Morgen ist der Hammer. Nachdem ich mir den Wanzt mit Schoko-Croissants, English Breakfast, Müsli, Joghurt, Kaffee und O-Saft vollgeschlagen habe, schlendere ich um 9:30 pünktlich zur Öffnungszeit rüber in den Fahrradladen und lasse meine gebrochene Speiche reparieren. Ich schaue dem sehr korpulenten aber kompetenten Mechaniker über die Schulter, in der Hoffnung ein wenig für die künftigen Trips zu lernen.

Er zeigt mir, wie man die hintere Schaltkassette wechselt – als er sie rausnimmt, stößt er ein überraschtes “Oh jeez” aus. Zuerst denke ich, er spielt auf den Zustand der Ritzel an. Angerostet, rund, trocken. Aber nein, er stellt fest, dass ein Distanzring zwischen Ritzel und Nabe fehlt. dadurch hat die Kassette seitliches Spiel und könnte unter ungünstigen Umständen das komplette Hinterrad zerlegen.

Vor dem Trip hat noch kein Mensch dieser Erde die Kassette demontiert. Das Radl war weder bei irgendwelchen Inspektionen (jaja, ich weiß …) noch habe ich selbst daran rumgeschraubt. Die Komponenten sind also alle seit dem Werk unberührt. Außer – die Typen in Hull, die mir meinen ersten Speichenbruch reparierten. Diese Idioten. Gut, dass der Mechaniker hier den Fehler präventiv beheben kann.

Er nimmt sich viel Zeit beim Speichenwechsel. Er legt mir ans Herz, sollte ich das irgendwann selbst machen müssen, nicht einfach die gegenüberliegende Speiche festzuziehen. Damit würde die Spannung auf jener Speiche unverhältnismäßig groß, und das Risiko, dass diese ebenfalls bricht, ist groß. Daher immer erst mal alle lockern und dann gleichmäßig anziehen. Dauert dann eben statt 10 Minuten (Hull) ca. 35.  Zwei Ersatzspeichen kriege ich auch noch auf den Weg, und ein paar Tipps wie ich sie einbaue. Rechnung: 14 Pfund. Cool!

Wieder voll funktionsfähig radle ich dann um 11:30 Uhr aus Berwick raus und komme um Punkt 12:47 Uhr an die schottische Grenze! Yeah! Mein Ziel, aus purer Muskelkraft (und einer Fähre) von München nach Schottland zu radeln, habe ich erreicht! Was auch immer jetzt noch kommen mag, das kann mir keiner mehr nehmen! Ich freu mich wie ein Schnitzel und zieh mir zur Belohnung gleich 2 Snickers und eine Banane rein :-)

Mission Complete!

Mission Complete!

Dass ich nun in Schottland bin, bekomme ich auch gleich bei der ersten Farm stolz präsentiert.

Schottische Flagge

Schottische Flagge

Und ein herzliches Welcome gibt´s auch noch!

Scottish Rainbow

Scottish Rainbow

Während ich die Küste entlang bei ca. 12 Grad Celsius und hier und da ein paar Regentröpfchen entlang düse (es geht fast durchweg bergab – sehr angenehm!), überhole ich einen Leder-Tramp. Also einen Traveller, der nichts als einen Rucksack dabei hat und sich zu Fuß bewegt. Ich überhole ihn aber leider auf einer Bundesstraße und kann nicht anhalten. Weiter unten führt der Radlweg aber von der Bundesstraße weg, und ich nutze die Zeit und futtere noch einen Apfel. Etwa 10 Minuten später kommt auch der Wanderer angeschlendert, ist aber scheinbar nicht auf ein Gespräch aus. Naja. Dann nicht.

Aber ich habe großen Respekt vor solchen Leuten. Das ist nochmal eine Ecke mehr Hardcore als Radwandern. Wenn’s mit dem Radl bergab geht, dann lehne ich mich zürück und genieße die Aussicht, einen Schluck Wasser oder einen Snack. Ein Wanderer muss auch bergab … wandern … . Und alles geht noch langsamer. Falsche Entscheidungen, etwa an Weggabelungen oder Ausrüstung, sind noch gravierender.

Als ich kurz vor Dunbar ankomme, ziehen Regenwolken auf. Ein Meer aus Regenwolken. Aaaaah, und es beginnt zu gießen wie aus Kannen. Und ich bin mitten in einem Industriegebiet. Auf der rechten Seite befindet sich ein recht großer Kiesparkplatz, der wohl offenbar auch als Abestellplatz für LKW und -Anhänger dient. Außerdem erfüllen ein paar Container die Funktion von Büros und Toiletten.

Als es zu Beginn noch eher seicht regnet, verstecke ich mich in einem kleinen Gebüsch, um mich vor dem nassen Wind zu schützen.

Shelter No. 1

Shelter No. 1

Als es dann aber richtig anfängt zu schütten, bietet dieses kleine Eck mir keinen Schutz mehr. Da höre ich eine Tür knallen und sehe, dass mich nebenan das Toilettenhäuschen förmlich dazu auffordert, dort Unterschlupf zu suchen. Das Angebot nehme ich doch gerne an, verstecke mein Radl hinter dem Container, wo es von dem seitlich heranwehenden Regenpeitschen geschützt ist.

Shelter No. 2

Shelter No. 2

Als nach 45 Minuten der Regen immer noch nicht nachlässt, SMSe ich meiner Schwester mit der Bitte, kurz mal im Netz zu schauen, wie lang der Regen noch anhält. “Hmm, hier steht nur: ab 18 Uhr (es war 17:30) ca. 6 Stunden Regen”. Na, mein Matrazenlager schlag ich hier in dem dreckigen Ding sicher nicht auf. Also mache ich mich im strömenden Regen auf nach Dunbar, sind noch ca. 2 Meilen über einen schlammigen Pfad.

Path do Dunbar

Path do Dunbar

Dort angekommen – klatschnass natürlich – entschließe ich mich, die restlichen 30 Meilen nach Edinburgh per Zug zu reisen. Ist ja jetzt erlaubt. Mein Ziel habe ich erreicht :-) Ist in UK ein wenig abenteuerlich, denn man muss sein Radl unbedingt einbuchen. Macht man das nicht, ist es eine Glückssache, ob man es überhaupt mitnehmen darf. Denn die Räder müssen in vorgesehene Halterungen eingeklemmt werden, aus “sicherheitstechnischen Gründen”. Ähnliches hatte ich schonmal in Italien. Dort gab es in einem separaten Wagon einfach 10 Haken in der Decke, und die Räder konnten auf Kosten des Materials frei in der Gegend rumschwingen. Hier nicht. Hier hat das Radl einen eigenen Abteil. Cool eigentlich.

Bike in Train

Bike in Train

In Edinburgh angekommen, regnet es immernoch ein wenig. Ich suche mein Hostel auf. “The Hostel”. 27 Pfund für 3 Nächte sind super cool. Als ich dort ankomme, bin ich aber eher negativ überrascht. Schon an der Türklingel werde ich mit einem genervten”Yes…?”  … erm … begrüßt. So sind sie alle drauf, die dort arbeiten. Arme Schweine. Für mein Geld bekomme ich eine Matraze in einem 16-Betten Mixed Dormitory mit nem Haufen Chinesen. Oder Japaner. Dabei ist auch ein Physikstudent und ein schmatzender, schnarchender, ständig mit Laptop in der Hand im Bett liegender Dreißigjähriger, dessen Augen einem nach wenigen Sekunden auch den offenbar zweistelligen IQ-Wert verraten.

Hostel in Edinburgh

Hostel in Edinburgh

Die “Lobby” besteht aus einem offenbar noch nie benutzten Billardtisch, einer Handvoll Stühle und Tische, einem Spülbecken – in dem man sein für das magere Frühstück verwendete Geschirr selbst spülen soll – und der Rezeption. Von den 3 Duschen in dem Badezimmer – das für beide Geschlechter da ist – funktioniert eine. Die Toilettenspülung funktioniert mal mehr mal weniger, und an immerhin einem der beiden Waschbecken gibt es warmes Wasser. Schimmel ist an den Decken in jedem Zimmer zu finden.

Aber das Gute ist an einer schlechten Unterkunft ist: Man verbringt wenig Zeit dort. Schon aus Eigeninteresse. Ich werfe meine Sachen ins Zimmer und verbringe den Rest des Abends in einem Pub gegenüber, wo ich mir zur Feier des Etappensiegs richtig gut gehen lasse!

Steak and Fries

Steak and Fries

Den nächste Tag verbringe ich komplett in der Stadt, und gehe wirklich – wirklich – nur zum Schlafen ins Hostel. Mein Radl ist sicher im Laundry Room aufbewahrt, allerdings ist wohl irgendein besoffener Hansl dagegengerumpelt. Als ich am Folgetag meinen Ausweis holen wollte, hängt nämlich ein Pannier (Seitentasche) schief dran. Ich habe immer die eine Tasche mit den Klamotten und dem Notebook bei mir, die andere bleibt am Radl. Da ist nur das Campingzeug drin.

Edinburgh ist eine geile Stadt. Sagt jeder, und auch ich kann mich nur anschließen. Natürlich touristisch. Fast von jeder Position in der Stadt kann man das Schloss sehen. Verwinkelte Gässchen ziehen sich quer und scheinbar willkürlich durch die traumhafte Altstadt. Von der “Royal Mile” aus kann man direkt aufs Meer blicken. Am zweiten Tag mache ich eine Free Tour, bei der ich zusammen mit 29 anderen Touristen von Studenten auf Trinkgeldbasis durch die Stadt geführt werde. Unter anderem auch am Elephant House vorbei. Das ist eines der Cafés, in dem J.K. Rowling ihre Harry Potter Romane verfasste.

The Elephant House - Front

The Elephant House – Front

The Elephant House - Back

The Elephant House – Back

Auch The Big Lebowski hat seinen Platz in dem grandiosen Städtchen gefunden!

The Big Lebowski

The Big Lebowski

Folgend mal einfach ein paar Eindrücke von Edinburgh. Ohne Worte.

Dudelsackmann

Dudelsackmann

Gasse

Gasse

Noch ne Gasse

Noch ne Gasse

Nahe der Royal Mile

Nahe der Royal Mile

Grassmarket

Grassmarket

Im Anschluss an die 3,5 Stunden Lauftour setzen wir uns noch in ein nettes lokal am Grassmarket, wo wir als Traveller für wenig Geld – etwa 7,50 Pfund statt 13,00 – Haggis probieren dürfen. Traditionelles schottisches Gericht aus den Innereien von Schafen, gemischt mit Kartoffeln und Whiskeysauce. Ich fand’s super lecker!

Mit 2 Mädels aus den USA und 3 anderen Münchnern ziehe ich dann noch auf den Arthur’s Seat, ein super Aussichtspunkt außerhalb der Stadt. Nach einer halben Stunde sind wir oben. Und wieder: Ohne Worte.

Arthur's Seat

Arthur’s Seat

Arthur's Seat

Arthur’s Seat

Arthur's Seat

Arthur’s Seat

Arthur's Seat mit Dudelsackfrau

Arthur’s Seat mit Dudelsackfrau

Um nicht schon um 19:00 ins Hostel zurück zu müssen, schlendere ich weiter durch die Stadt und lande am Abend im Belushi’s um mir das Champions League Spiel anzusehen. Als dies vorbei ist, bekomme ich nette Gesellschaft von Molly, einem Mädel aus Australien, die gerade am Backpacken durch Europa ist. Im Belushi’s findet an dem Abend eine Standup Comedy-Show statt, doch nach ca. 1 Stunde floppt der total. Was weniger an den Comedians lag, als an dem Pub Crawl, der aus respektlosen, betrunken und partywütigen Idioten bestand, und einem Haufen Italiener, die direkt vor der Bühne Platz nahme und ununterbrochen – noch dazu recht laut – redeten, sodass der Comedian die Show abbrechen musste. Er bedankte sich bei Molly und mir, denn wir waren der übrig gebliebene Rest, der bei der Show interaktiv mitmachte.

Nachdem ich dann am nächsten Morgen (Mittwoch) mein Haupt unter die Dusche und dann so schnell wie möglich aus dem Hostel schwinge, führt mich mein erster Weg zum Hauptbahnhof. Ich hatte mir bereits mein Bahnticket für Donnerstag nach Newcastle gekauft. Von dort geht die Fähre nach Amsterdam. Leider kannte ich die Öffnungszeiten des Schalters im Hbf nicht, und kam kurz vor Schließung dort an. Unter Zeitdruck und dem unbehaglichen Gefühl, dass die Mitarbeiterin offensichtlich genervt ist, erkläre ich kurz und schmerzlos was ich brauche. Ein Ticket nach Newcastle für mich und mein Radl, und ich muss dort um 4 eine Fähre kriegen und darf daher nicht später als 2 Uhr ankommen. Sie druckt mir ein Ticket aus, rattert ein paar Standartfloskeln un irrem Tempo runter. Ich stecke die Karten ein und verlasse den Schalter.

Draußen werfe ich einen Blick darauf und stelle fest, dass die Tickets zwar für den richtigen Zug sind, aber dieser erst um 14:08 in Edinburgh abfährt. Als ich mich umdrehe, sind die Rollos am Schalter aber schon unten. Heute muss ich den Fehler der Angestellten ausbügeln. Ich weiß, eigentlich meiner, ich hätte mehr aufpassen müssen. So sehe ich auch die 10 Pfund Gebühr als Lehrgeld an. Ich habe zwar versucht, das Geld mit Charm und Freundlichkeit zu sparen, aber blieb erfolglos.

Nachdem ich mein Ticket also korrigiert hatte, wandere ich weiter durch die Stadt. Gönne mir eine heiße Schokolade und mache eine “Whiskey Experience”. Eine einstündige Tour, unter anderem durch eine Art Geisterbahn, die einem die verschiedenen Prozesse der Destillation zeigt. Im Anschluss gibt’s noch eine kleine Schulung einer Expertin und ein Tasting. Hier wird erklärt, welche Sorten es gibt und wie Whiskey richtig getrunken wird.

Die 4 Whiskey Gebiete

Die 4 Whiskey Gebiete

Whiskey Sammlung - ein Teil

Whiskey Sammlung – ein Teil

Jetzt bin ich müde. Whiskey am Nachmittag bin ich nicht gewohnt. Ich schlendere ins Hostel und lege mich ca. 2 Stunden hin. Um 19:00 geht’s wieder in die Stadt zum Pub Crawl. Auf dem Weg gönne ich mir im Beanscene noch ein Sandwich und einen Kaffee um wieder etwas wach zu werden. So ganz bin ich das noch nicht, denn ich verlasse den Laden, ohne zu bezahlen. Der Typ hinter der Bar hat das aber auch nicht geschnallt, und mir sogar noch einen schönen Tag gewünscht. Ich habe den Fehler aber weniger Meter nach Verlassen des Cafés bemerkt und als Dank nur 4 Pfund statt 8 bezahlt. Ehrlichkeit zahlt sich diesmal sogar aus :-)

Weiter geht’s zum Pub Crawl, eine Guided Tour durch die Pubs und Clubs der Stadt! Ziemlich coole Sache! 2 Australier und 6 Deutsche waren dabei. Plus ich. Und spanische Tour Guides. Wir landen unter anderem auch im Belushi’s. Dort wo am Vorabend die Comedy Show stattfand. Der Pub Crawl Guide bestellt einen Haufen Stamperl mit Red Bull gemischt, und meint zu mir “you must push it down”. Ich bekomme einen Countdown, und bei “0″ nehme ich mir beherzt eins der Stamperl und kippe es auf Ex weg. Ich blicke in enttäuschte Gesichter, dann bricht der Saal in Gelächter aus. Es sollte eine Art Dominoeffekt geben, wenn mal wirklich das erste Glas umschubst (push). Aber ich war zu blau und hab gedacht … Naja, Wurscht!

Stamperl Action

Stamperl Action

Nächster Tag – Aua. Zu wenig Wasser getrunken, und damit Kater. Ich quäle mich aus dem Bett und packe meine Sachen, denn ich muss um 10:30 Uhr ausgecheckt haben. Ich begebe mich genau eine Hausnummer weiter ins Beanscene Kaffee und bestelle mir erst mal einen Smoothie und ein Bacon Sandwich. Für 5 Pfund. Fair.

Beanscene

Beanscene

Gegen 15:30 komme ich – nach 1 Stunde radeln durch strömenden Regen – auf der Fähre an, zusammen mit einem Haufen typisch deutscher Touri-Radler. Einen von denen hab ich sogar in Berwick getroffen. Keine Ahnung ob er mich wiedererkannt hat, aber ich habe das Gespräch mit diesen Gurken vermieden.

Auf der Fähre habe ich eine Zweibett-Kabine für mich allein, was ich sehr begrüße. Ich nehme eine Dusche und hänge die nassen Sachen an die Wand. Anschließend schnappe ich mir das “Into The Wild” Buch, das ich von Matt aus Newcastle geliehen bekommen habe, und in dem ich immer wenn ich warten musste (z.B. bei der Auffahrt zur Fähre, im Zug, etc.). Ich setze mich bei einem Glas Wein an die Bar und gehe gegen 21:00 schlafen.

Fähre Kabine

Fähre Kabine

Radl on Ferry

Radl on Ferry

In Amsterdam bemerkt man dann sofort, dass man hier im Radlparadies gelandet ist. Radwege überall! Riesig breit. Sogar in den Kreiseln gibt´s eine Radspur, auf der man auch Vorfahrt hat. Und auch neben der Bundesstraße: Radwege.

Radlwege bei Amsterdam

Radlwege bei Amsterdam

Und damit man auch an den unzähligen Ampeln nichts falsch macht, gibt´s genaue Instruktionen!

Ampel Instructions

Ampel Instructions

Nun sitze ich hier im Hostel “Heart of Amsterdam”. Mitten in der Stadt. 30 EUR die Nacht, und das war das billigste! Aber morgen geht’s von der Innenstadt aus weiter mit der Mitfahrgelegenheit nach Frankfurt, und es soll regnen. Das ist mir die 20 EUR Differenz zur Campsite wert. Cooles Hostel! recht durchdesigned, und nach ein wenig Überredungsarbeit darf ich auch mein Radl ausnahmsweise im Keller unterbringen. Für mich kommt es gar nicht in die Tüte, mein Radl hier mitten im Red Light DIstrict draußen stehen zu lassen. Noch dazu an einem Freitag Abend. Aber Madame Receptione wollte diskutieren.

Radl in Amsterdam

Radl in Amsterdam

Hostel Amsterdam

Hostel Amsterdam

Ich kenne Amsterdam schon ein wenig von früheren Urlaubs- und Geschäftsreisen, und es war nich wirklich meine Stadt. Ganz cool wenn man eine wirkliche Partysau ist. Was ich ja nicht wirklich bin. Ich mag’s eher gemütlich. Daher kann ich mich auch mit den überfüllten, engen Straßen und dem Gulligestank der Kanäle nicht anfreunden, aber das gehört eben zum Stadtbild. Auf jeden Fall eine Scene City, die man gesehen haben muss – wenn man das noch nicht getan hat.

Blick aus dem Hostel Fenster

Blick aus dem Hostel Fenster

Amsterdam

Amsterdam

Hier in Amsterdam gibt’s auch die New Europe Tours. Das ist die Organisation die die Free Tour und den Pub Crawl in u.a. in Edinburgh organisiert. Ich überlege kurz, ob ich die Tour durch das Red Light District mitmache, beschließe aber dann das Geld lieber in ein leckeres Abendessen zu investieren und früh schlafen zu gehen. Morgen geht’s dann per Auto nach Frankfurt, wo mich dann meine Eltern abholen. Dort bleibe ich dann bis Oktober, und dann geht’s ganz runter nach Muc!

Ich freue mich jetzt ungemein darauf, meinen Hund wiederzusehen! Nichts hab ich auf der Reise mehr vermisst. Bis morgen, Alter!

Charlie

Charlie

Tag 35 – 41 – England, let me go!

September 16th, 2012

Wurdet ihr schonmal nach dem Weg irgendwo hin gefragt? Bestimmt. Überlegt mal, wie oft das vorgekommen ist. Nicht allzu oft, oder? Vielleicht könnt ihr euch an ein, zwei Ereignisse erinnern. Ich hingegen wurde allein in den vergangenen 6 Wochen mindestens 4 mal nach dem Weg gefragt – von Locals, also Landesbewohnern. Woher soll ich, der auf einem vollbepackten Radl strampelt, die Gesichtsmatraze schon als Windschutz nutzt, denn bitteschön wissen, wie man irgendwo in der Pampa mit dem Auto am besten den Highway umfahren kann? Ein Wanderer ist selten dort, wo er sich auskennt. Und noch seltener kennt er dort dann Alternativwege für Fahrzeuge, die er selbst nicht fährt. Naja, beschwere mich ja nicht, bin nur verwundert, was manche Menschen sich dabei so denken.



Von Middlesbrough aus starte ich den Tag in Richtung Newcastle. Middlesbrough ist eine negativ bekannte Stadt in UK. Dort herrscht eine Arbeitslosenquote von nahezu 50%, und das merkt man auch. Ziemlich viele Assis und Kampfhunde. Unzufriedene Leute. Als es zum Sonnenuntergang kurz zu Regnen aufhört, schieße ich ein Foto des ebenso mürrischen Himmels.

Sunset in Middlesbrough

Sunset in Middlesbrough

Schnell weg. Ach ja, es hat ja am Vorabend geregnet als versucht einer die Hölle zu löschen, aber mein Zelt hat brav standgehalten und keinen Tropfen reingelassen :-)

Braves Zelt!

Braves Zelt!

Auf dem Weg nach Newcastle passiert an sich nicht viel. Ich komme durch einige Dörfer, in einem bimmeln die Alarmanlagen zweier Häuser. Scheint aber keinen zu bedrücken. Ich frage mich nach dem Sinn der Anlagen, während ich mit dem Pulp Fiction Soundtrack im Ohr weiter durch die leicht hügeligen Dörfer zuckel.

Dogs!

Dogs!

Teilweise geht’s auch durch kleine Wälder, die unverhofft an Stellen wie diesen etwas technisch werden.

Abwärts!

Abwärts!

Zwischendrin verfahre ich mich mal wieder. Wenn man von der Sustrans Route, also den ausgeschilderten Radlwegen, abkommt, landet man meißt auf den A-Roads. Das sind quasi die Bundesstraßen UKs. Sind Grün beschildert. Da ich heute ohnehin irgendwie schlecht drauf bin und keine Lust habe, groß nach dem richtigen Weg zu suchen, fahre ich mal wieder ein bisschen A-Road.

Irgendwo bei Seaham wird’s dann das erste Mal auf meinem Trip gefährlich. Naja. Auch nicht wirklich. Ich treffe auf einen Haufen Zigeuner, die dort an einer verlassenen Straße am Stadtrand ihr Lager aufgeschlagen haben. Ist eine kleine Straße, gleichzeitig eine Sackgasse. Die Radlbeschilderung ist etwas dürftig, sodass ich dor 3-4 Mal im Kreis fahre. Bei meiner letzten Runde ziehe ich ein Rudel (ungelogen etwa 6-7) kleine Hunde (Scottie-Größe) hinter mir her, die kläffend versuchen mich aus ihrem Revier zu vertreiben. Die Zigeuner interessiert das natürlich nicht. Ich bleibe stehen, um den Tierchen Überlegenheit zu demonstrieren, was auch gut funktioniert. Anschileßend dann mal wieder Küste! Und gut sichtbar auf dem Bildl hier: Regen!

Regen?

Regen?

Bike on Strand

Bike on Strand

In Newcastle angekommen, suche ich dann Matt’s Wohnung auf. Matt ist der Spezl, den ich in Brüssel kennengelernt habe, und der mich freundlicherweise bei sich übernachten lässt, und bei dem ich mich an dieser Stelle nochmal herzlich bedanken möchte !! Selten so viel Komfort auf meiner Reise genießen dürfen, und ich darf auch gleich 3 Nächte bleiben.

Matt's Flat

Matt’s Flat

Matt's Flat (2)

Matt’s Flat (2)

Matt's Flat (3)

Matt’s Flat (3)

Happahappa

Happahappa

Am letzten Abend bin ich auch noch eingeladen, mit Matts Hobbyteam Fußball zu spielen. Eines der Dinge, die mir wirklich abgehen, wenn ich nicht in München bin. Dass englischer Fußball taktisch ganz anders als der deutsche ist, darf ich jetzt auch mal am eigenen Leib erfahren. Weniger Spielaufbau, mehr Kick & Rush. Viel Rennen. Sorgt garantiert für Muskelkater :-) Nachdem ich bei Matt’s meine Seele hab ein wenig baumeln lassen, mache ich mich am Freitag auf nach Amble. Eigentlich ein sehtr touristischer Ort, denn er ist klein, schnuckelig, direkt an der Küste.

Radl am Strand

Radl am Strand

Aber Campingplätze? Nö. Als ich gerade wieder Wild Campen in Erwägung ziehe, den Kopf tief in die Landkarte getaucht, spricht mich ein Kioskbetreiber an, der gerade seinen Laden schließt. Er lotst mich unglaublich hilfsbereit und freundlich in ein kleines Kaff, “Wortsworth”, wo ich mein Glück versuchen könne. Hab aber keins. Aber als ich dann zufällig an einem der etlichen FON Hotspots vorbeikomme, finde ich einen Campspotin der Nähe. Gilt es nur, rechtzeitig hinzufinden, bevor es ganz dunkel ist. Momentan ist es 19:00 Uhr. Ich folge der Google Maps Route, und lande im Wasser. Ernsthaft! Die Radlroute führt mitten durch einen Fluss, der an dieser Stelle glücklicherweise nur ca. 30cm tief ist. Da es schon dunkel ist, und ich genervt bin, radel ich einfach durch, ohne die Tiefe zu checken. Ging gut!

Erste Flussüberquerung - Check

Erste Flussüberquerung – Check

Anschließend werde ich von den Eltern der Campingplatzbetreiberin herzlich empfangen. Ein Glas Whisky, Tee, frisch gepflückte Tomaten und einen Schokoriegel kriege ich spendiert, und der Abend endet gegen 23:00 nach einem sehr unterhaltsamen Gespräch zu dritt. Am nächsten Morgen kriege ich noch einen Kaffee zur Stärkung, und außerdem noch ein Sandwich und Tomaten mit auf den Weg. Der Hammer! Und das alles für umgerechnet keine 10,- EUR :-) Der Campingplatz selbst ist sehr liebevoll eingerichtet. Ein kleiner Trailer steht dort, der alles bietet, was man sich wünscht! Als ich dort im Anschluss noch ein wenig auf der Couch chille und gemütlich der Jazzmusik aus dem Radio lausche, überlege ich mir kurzzeitig, nicht selbst mit Charlie in einen Trailer zu ziehen. Hat schon was !

Trailer

Trailer

Trailer (2)

Trailer (2)

Trailer (3)

Trailer (3)

Weiter geht’s, immer der Küste entlang, nach Beal.

Küstenroute

Küstenroute

Am Bamburgh Castle vorbei – naja, zumindest halte ich um ein paar Nüsse zu futtern :-)

Bamburgh Castle

Bamburgh Castle

In Beal angekommen, treffe ich unterwegs auf 2 Herren, um die 50, und wir ratschen ein wenig. Als ich erwähnte, dass ich gerade nach einem Campspot Ausschau halte – denn es ist bereits 19:00 Uhr – meinten sie dass ich gerade an einem vorbeigefahren sei. Sie wissen das, denn sie selbst übernachten dort in ihrem Motorhome. Und prompt bin ich zu leckerer Suppe und einem weiteren lustigen Abend eingeladen. Von Beal aus kann man, wenn Ebbe ist, auf die “Holy Island” Insel übersetzen. Zu Fuß, per Radl, oder per Auto. Wir natürlich im Motorhome, denn der Hund, ein Scottie, der von den beiden Herren babygesittet wird, muss ausgeführt werden. Die Holy Island ist eine fast unbewohnte Insel mit einem alten Kloster, in dem früher die Mönche gehaust haben.

Low Tide on Holy Island

Low Tide on Holy Island

 

Holy Island Monastery

Holy Island Monastery

Am folgenden Morgen bekomme ich auch gleich einen Kaffee, Baked Bones and Toast und Müsli! Hammer! Negativ: Ich habe einen Platten. Vorne. Aber die beiden Herren müssen ohnehin in den nächsten Ort und volltanken, sodass sie mich einfach mitnehmen. Ist einfacher als selbst zu reparieren, denn der Mantel ist ja – wie bekannt – ein Arschloch. Anschließend fahren wir zurück zum Campspot, denn ich will ja von mir behaupten können, von München nach Schottland geradelt zu sein. Selbst 5 Meilen per Campervan sehe ich dabei als Schummelei an. Hab ich ein Glück, dass der erste Platten in solch einer Situation kommt, oder?


Wir plaudern weiter bis ca. 13 Uhr, denn es versucht ständig zu regnen. Irgendwann wirds mir dann doch zu blöd und ich radle weiter. Ganze 20 Kilometer! Dann komme ich in Berwick an. Berwick upon Tweed ist eine Grenzstadt zwischen England und Schottland. Fast habe ich es geschafft! Gleich kann ich von mir behaupten, aus reiner Muskelkraft (und einer Fähre) von München nach Schottland geradelt zu sein! Noch ein paar Kilometer… K-N-A-L-L. Speiche kaputt. Mal wieder. Weiterfahren: lieber nicht. Ab in den McDonalds (da gibt´s Free WiFi), und nach einer Unterkunft gesucht – ein YHA für 19 Pfund inklusive Frühstück klingt für mich, klatschnass und saukalt, wie ein Traum. Und das Hostel ist auch wirklich cool!

YHA in Berwick

YHA in Berwick

Nachdem ich jetzt auch meine gute Tat getan habe, indem ich einer anderen Reisenden meinen Stromadapter leihe, begebe ich mich nun noch auf den Weg in einen Kebapladen. “The Turk Grill” wurde mir empfohlen. Morgen früh kann ich dann gleich um die Ecke in einem Fahrradladen mein Radl reparieren lassen und mich dann auf nach Edinburgh machen! Sind ca. 95 Kilometer von hier, sollte also klappen. Von Edinburgh aus werde ich dann am kommenden Donnerstag den Zug nach Newcastle zurück nehmen. Von dort dann mit der Fähre über Nacht nach Amsterdam, wo ich dann auch nochmal die Nacht verbringe. Und am Samstag habe ich dann eine Mitfahrgelegenheit nach Frankfurt, wo mich meine Eltern abholen. 6 Wochen Strampelei in 2 Tagen. Irgendwie befremdlich, das Gefühl.

Tag 30 – 35 – Boston bis Middlebrough

September 10th, 2012

Am Morgen kommt der Campingplatzbetreiber zu mir und drückt mir 5 Pfund in die Hand – er hätte mir zuviel berechnet. So kann der Tag nur gut werden!

Morgendlicher Blick aus dem Zelt (Boston)

Morgendlicher Blick aus dem Zelt (Boston)

Boston ist an sich auch keine Stadt, die man sehen muss. Ziemlich hässlich. Ich suche die Tourist Information auf, doch die existiert wohl nicht. Es gibt Schilder, aber die zeigen an jeder Kreuzung in eine andere Richtung. Scheint wohl ein Sport der dortigen (Assi-)Jugend zu sein, die Richtungsweiser zu manipulieren. So stehe ich nun mitten auf dem Marktplatz auf meinem Radl sitzend, einen Fuß zum Abstützen auf eine Art Podest.. oder Kunst.. oder so.. gestützt. Da kommt eine Frau älteren Semesters vorbei, und setzt sich direkt vor mich auf eben jenes Podest. Welches eigentlich rund ist und einen Durchmesse von ca 5 Metern hat, sie hätte sich also auch ein durchaus privateres Eck suchen können. So blockiert mir die Kuh mit ihren Füßen den Weg und ich muss um weiterzufahren erst mal mein Radl ein Stück zurückrollen. Eigenartige Szene.


Als ich ich gerade losfahren will, kommt ein betrunkener (achso, es ist 10:00 an einem Donnerstag) Jugendlicher, ca. 20, entgegen und stellt erst mal Fragen. Dieselben, die jeder stellt. “Where you’re heading?”, “How much du you ride a day?”, “Why ain’t you at the Oktoberfest?”. Man hat normalerweise schon gesprächsfördernde Antworten parat, aber mit dem Typen hab ich jetzt keine Lust zu reden. Also fahre ich einfach los. Der Radweg nach Lincoln ist super! Echt gut ausgeschildert, absolut verkehrsfrei, da er direkt an der Witham entlang über einen einzigen, flachen, langen Weg direkt zum Ziel führt.

Weg nach Lincoln

Weg nach Lincoln

Auch Kunst darf natürlich nicht fehlen! Also ich nehme an, dass es Kunst ist – oder seht ihr einen wirklich Sinn in diesem architektonischen Götzen?

Treppe ?

Treppe ?

Die Strecke nach Lincoln hat nur ca. 60 Kilometer. Allerdings habe ich heute heftigsten Gegenwind, sodass ich nach 40 Kilometern bereits eine Pause brauche. Da kommt mir diese Bank (oder auch Kunst?) gerade recht. Die Windbrisen in Kombination mit Vogelgezwitscher lässt mich auch gleich eine halbe Stunde knacken :-)

Mittagsschlafplatz

Mittagsschlafplatz

Etwa eine Stunde später komme ich dann in Lincoln an! Im Hintergrund ist die Lincoln Cathedral gut zu sehen.

Lincoln Arrival

Lincoln Arrival

Was für ne hammer Stadt! Die Altstadt rund um das Schloss und die Kathedrale ist der Wahnsinn! Hier mal Bilder von letzterer:

Lincoln Cathedral

Lincoln Cathedral

Lincoln Cathedral von innen

Lincoln Cathedral von innen

Lincoln Cathedral

Lincoln Cathedral

Gleich gegenüber stehen die “The Number Houses”. Die heißen so, weil sie angeblich die ersten Häuser Englands waren, denen Nummern gegeben wurden.

The Number Houses

The Number Houses

Durch das Gate wieder zurück auf den Marktplatz, sitzt dort ein Straßenmusiker mit seiner Gitarre und klimpert spanisch klingende Musik, die echt für eine klasse Atmosphäre sorgt. Selbst für mich, der gerade mit einem Latte 2 Go und 2 Donuts vom Bäcker auf der Bank chillt. Zur Linken geht’s zur Kathedrale, zur rechten zum Schloss.

Es ist 12:00 – wird Zeit, dass ich mich weiter auf den Weg in Richtung York mache. Obwohl ich eigentlich echt noch ganz gern ein wenig durch die Straßen geschlendert wäre. Auch wäre ich gern auf die Dächer der Kathedrale gestiegen, aber die einzige Führung die mir zeitlich gepasst hätte war schon ausgebucht. Naja. Gegen 19:00 bin ich irgendwo in der Pampa und die Sonne deutet ihren Untergang an. Da ich gerade an einem Wald vorbeikomme, beschließe ich, heute mal wieder wild zu campen, und biege von der Radroute einige Meter in den Wald ein.

Wild Campen im Wald

Wild Campen im Wald

Das Bild zeigt nicht genau die Stelle, an der ich mein Zelt aufgeschlagen habe. Dazu gibt’s nämlich natürlich noch was zu sagen. Einige Meter weiter durch den Vorwald im Wald finde ich einen Grünstreifen. der nach links bergab und rechts bergauf um eine Kurve führt. Wohl ein Weg der von Traktoren verwendet wird, zumindest deuten das die Spuren im Gras an. Geradeaus geht’s dann wirklich ins Dickicht. Ich denke nicht groß nach und schlage mein Zelt einfach auf der Wiese auf. Großer Fehler. Am nächsten Morgen hat sich ein dichter Taunebel auf den Grünstreifen und natürlich auch mein Zelt gelegt. Alles ist nassfeucht. Und: Schnecken! Nachtschnecken! Überall! AAAAHHH!


Merke: Geschützt ist besser. Nicht nur, weil man dann auch weniger schnell gesehen wird, sondern weil man auch vor Tau geschützt ist. 5 Meter neben meinem Zeltplatz war nämlich noch der Vorwald. der zwischen den Bäumen noch genügend Platz für mein Zelt geboten hätte. Und der Boden dort war trocken. Weiter geht’s nach Barton upon Humber. Netter kleiner Ort, wo ich mir ein Sandwich und einen Café Latte gönne. In einem Bistro, der sich “The Place” nennt. Nettes kleines Bistro, und eine super nette Chefin, die mich nach einem unterhaltsamen Plausch (ich sehe aus wie Sau – komme ja gerade aus dem Wald) noch mein Handy aufladen lässt und sogar noch ein Käse-Zwiebel Sandwich als Lunchpaket mit auf den Weg gibt! DANKE! Von Barton geht’s über Englands drittgrößte Brücke, die Humber Bridgeüber den Humber nach Hull.

Humber Bridge

Humber Bridge

Radl on Humber Bridge

Radl on Humber Bridge

Fabi on Humber Bridge

Fabi on Humber Bridge

Kingston upon Hull wurde als “Number 1 Crap Town” in England gewählt. Schnell durchfahren und weiter.


K-N-A-L-L.


Das war eine Speiche. Schiet. Mitten in Hull. Der Crap Town. Mein Hinterrad eiert nun wie blöd. und berührt bei jeder Umdrehung den Rahmen. Und die Bremse. Der zweite Fahrradladen, den ich in Hull finde, kann mir auch gleich helfen und repariert mir für 12,50 Pfund die Speiche, zieht mir die durch die rund 2200 gefahrenen Kilometer schon etwas in Mitleidenschaft gezogene Radfelge gerade, gibt mir einen Kaffee aus und füllt meine Wasserflaschen. Da kann man nicht meckern. Nur habe ich leider 2 Stunden dadurch “verloren”. Aber ist ja kein Rennen.

Sunset in Dunnington

Sunset in Dunnington

Den Sonnenuntergang erlebe ich dann in Dunnington, einer Vorstadt von York. Ziemlich neu alles hier, und offenbar auch recht reiche Gegend. Ich lasse mich auf einem Campingplatz nieder, genieße die Dusche und lege mich dann auch gleich schlafen. Am Folgetag geht’s natürlich nach York. Geile Stadt. Cooler Park, fröhliche Leute, hübsche Innenstadt und ein cooles Nachtleben. Straßenmusiker überall:

Indianer in York

Indianer in York


Uhr

Uhr





Aber das schärfste: ein Campingplatz mitten in der Stadt! Wie geil ist das denn bitte?

Campingplatz York

Campingplatz York

Na, wer findet mein Radl?

Dort treffe ich dann auch gleich 2 Belgier aus Ghent, die mit dem Rucksack nach Whitby trampen wollen. Den Abend verbringen wir zusammen und begeben uns unter anderem ins “Evil Eye“. Den Tipp hatten wir von dem Mädel aus dem Pizza Hut (am Rande – ich futter momentan wahnsinnig viel und habe auch jetzt schon wieder Magenknurren).


Auf der Terasse setzt sich ein völlig betrunkener Ire zu uns. Zu Beginn wars ganz witzig, irgendwann hat er nur noch genervt. Doch als er dann anfing, die verbotene Strophe der deutschen Nationalhymne zu singen, wurd’s mir zu blöd. Ich erklärte ihm, dass wir diese Strophe nicht mehr singen, und erhielt als Antwort “We do! In Ireland, we do!”. Dazu sei gesagt, dass er die ganze Zeit irgendwas vom zweiten Weltkrieg schwafelte, und wie dumm sich die Deutschen doch verhalten hätten, nicht mit den Iren zusammen zu arbeiten. Und deswegen den Krieg verloren. Ich habe ihn dann – Gott sei Dank mit bloßen Worten – vom Tisch und auch dem Pub verbannen können. Gegen 23 Uhr mussten wir die Terasse aufgrund von Ruhestörung (ist ja Sonntag Abend) räumen und die Feier nach drinnen verlegen. Dort haben wir dann auch noch einige andere Engländer aus Manchester kennen gelernt. Nichts aufregendes, aber war lustig.


Gegen Mitternacht wurde dann der Pub geschlossen, wohl eine Regulierung der Stadt. War auch gut so, denn ich will ja jetzt nach Newcastle. Ich hatte in Brüssel ja einen Burschen kennengelernt, der in Newcastle wohnt. Und der mich freundlicherweise auch bei sich übernachten lässt, sobald ich dort ankomme. Ich wollte schon am Freitag dort sein, aber meine Planung ist hinten und vorne nicht aufgegangen. Jetzt ist Sonntag, und ich will versuchen, morgen dort aufzuschlagen. Sind 150 Kilometer. Machbar. Am Morgen mache ich mich gegen 9:00 gleich los. Kater habe ich keinen. Dafür trink ich genug Wasser :-) Vorweg – Bilder gibt’s für den heutigen Tag leider keine, denn die Akkus sind alle leer. Die Fahrt verläuft super, auch wenn die Steigungen ziemlich verrückt sind. Ewig war gar nix. Und jetzt ständig 13% Steigungen, die dann direkt wieder zu 8% Gefällen werden. Das kostet Puste.


Um 17:00 komme ich dann in Middlesbrough an. Hunger. Decke mich mit Futter ein und verzehre es auf einem Parkplatz. Another Crap Town. Kinder kommen angelaufen und wollen alles über meine Reise wissen. “Have you been on TV?”; “Can I have your autograph?” Irgendwie süß. Aber in dem Moment war ich genervt, denn ich hatte andere Dinge im Kopf. Als ich die Stadt dann durchkreuzte, was ich muss, will ich der Radroute folgen, und am Nordende ankomme, fängt es an zu schütten. Mein erster richtiger Regen auf dem ganzen Trip! Ich suche mir eine Bushaltestelle als Unterkunft.


Es zieht sich, und als ich gegen 19:00 dann endlich wieder auf dem richtigen Weg bin, setzt die Dämmerung ein – und der nächste Wolkenbruch. Also wieder muss ich Matts aus Newcastle für heute absagen. Aber morgen klappt’s bestimmt! Die Campsites in England sind oft sogenannte “Caravan Clubs”. Das nervige ist, dass diese Clubs ab 20:00 eigentlich die Rezeption dicht machen und keinen mehr reinlassen. Ist mir in Cambridge schon so passiert, da musste ich auf einer Notwiese übernachten. Mit Hummeln neben dem Zelt. Naja, ich komme um 20:20 an diesem Club an, und darf mir erst mal anhören, wie das in England so funktioniert. Kriege aber trotzdem einen Zeltplatz und darf sogar den “Family Room” für mich alleine Nutzen. Ein riesen Raum mit Fernseher, Steckdosen und WiFi. Sogar ein Billardtisch steht hier. Ist nur ziemlich fad alleine :-/ Bin hundemüde und würde gerne ins Zelt, aber es schüttet noch immer wie aus Kübeln. Bin mal gespannt ob mein Zelt das ausgehalten hat …

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tag 25 – 30

September 5th, 2012

Ihr seht schon – die Posts werden etwas unregelmäßiger und der Abstand wird größer. Das liegt an mehreren Dingen – einerseits ist es nicht so einfach, einen Schlafplatz mit WiFi zu finden. Des weiteren herrscht hier auf der Insel ein ständiger Wind, gegen den ich ständig anzukämpfen habe. Ist wie bergauf fahren. Nur eben eben. Und der Dreck der LKWs fliegt einem ins Gesicht.

Folgendes Bild ist komplett außerhalb des Kontext, find ich aber trotzdem cool :-)

Car Breakers

Car Breakers

Meine erste Couchsurfing Erfahrung war allererste Sahne! Nachdem ich es ja irgendwie doch noch geschafft hatte, dort aufzutauchen, gehen wir im Anschluss gleich feiern. Schon auf dem Weg dorthin passieren komische Dinge. Kaum aus der Haustüre raus, sehen wir straßenmittig einen Transporter, der in einem anderen Auto, welches am Fahrbahnrand steht, parkt. Also Blech in Blech. Sieht aus wie gewollt, ist es aber sicher nicht.Wohl vergessen die Handbremse anzuziehen.

Nach der kurzen Busfahrt laufen wir die letzten Meter zum Pub. Ein Arbeiterviertel, und ich werde von einem Betrunkenen (ich bins auch schon) angewiesen, unbedingt noch irgendeinen Stadtteil (erinnere mich nicht mehr) aufzusuchen.

Vor dem Club dann ein Massenparken von Fahrrädern. Kein Plan ob abstrakte Kunst oder Alkohol schuld ist.

Bike Parking in London

Bike Parking in London

Am kommenden Tag wird ausgeschlafen. Ach, ein Foto, das etwa 30% des WG-Wohnraumes zeigt, hab ich auch noch. Fahrräder gibt’s genug, da fällt meins gar nicht auf :-) Oben am Bildrand hängt auch noch eines. Die WG wohnt in einem alten Lagerhaus, das – wie ein halbes Dutzend anderer Lagerhäuser im Gebiet auch – zur Wohnung umgebaut wurde.

Couchsurfing

Couchsurfing

Nachdem wir am Samstag bei eben einem der Nachbar-WGs noch kurz (zumindest James – einer der 10 Mitbewohner – und ich) vorbeischauten, begleitet mich James am Sonntag James, mit seinem Rennradl (das an der Decke) bis nach Cambridge! Er ist dort in der Nähe aufgewachsen und kennt die Gegend daher sehr gut. Ist schön, einen Führer zu haben, dann kann man wirklich mal genießen, ohne ständig nach Schildern oder der Sonne Ausschau zu halten. Wir lassen es gemütlich angehen und machen bei 120 KM insgesamt 5 Pausen. Die erste ungewollt nach 10 Minuten, da der hinteree Schlauch von James Radl sich verabschiedet.Die zweite dann in einem kleinen Ort – ich glaube es war Hatfield – beim Cafe Nero auf einen Latte, und einen Schlauchkauf. Ich hatte James nämlich einen von meinen Reserveschläuchen gegeben und brauchte Ersatz.

Die dritte in einem Teahouse – hab vergessen wo das war.

James at Tea House

James at Tea House

Kaffee, Kuchen und Creme

Kaffee, Kuchen und Creme

Und der letzte dann bei James Großeltern, welche uns herzlich empfangen haben und mit lecker Sandwiches versorgt haben. In Cambridge gönnen wir uns eine Pizza und ein Bier, und James verabschiedet sich wieder Richtung London per Zug. Ich bleibe auf einem Campsite, der aber ziemlich kacke ist. Ist eigentlich ein Caravan Club, und die sind immer etwas spießig. Ich komme um 20:04 dort an, und der Typ von der Rezeption lässt ich nicht mehr auf das Gelände, weil es nach 20:00 Uhr ist. Ich darf aber auf der Notwiese campen. Immerhin hat’s mich nur 6,20 Pfund gekostet.

Am kommenden Tag schaue ich mir noch bis Mittags Cambridge an. Ein echt guter Straßenmusiker covert gute Bands wie z.B. Mumford & Sons. Eine wundervolle Stadt, klein, viele Studenten, viel Lebensfreude. Fühle mich echt wohl hier!

Straßenmusiker

Straßenmusiker

Cambridge University

Cambridge University

Cafe Nero Cambridge

Cafe Nero Cambridge

Im Anschluss mache ich mich auf den Weg nach Huntingdon. Nicht weit, ca, 40 Kilometer, aber hatte ja auch nur einen halben Tag. Ist auch nichts spannendes Passiert. Campe wieder auf der Campsite. Den Weg dorthin hat mir ein Secondary-School-Lehrer erklärt, der selbst kürzlich mit dem Fahrrad die Ukrainer durchfahren hat.

Am nächsten Tag (gestern) zuckel ich weiter nach Peterborough. Ganz netter Weg, aber nichts spektakuläres. Ein paar Dörfer. Naturschutzgebiete.

Pferdeampel

Pferdeampel

Naturschutzgebiet

Naturschutzgebiet

Wieder: Campsite. Ich versuche vergeblich, in Peterborough eine Fahrradkarte zu organisieren. Die Radwege werden hier von Sustrans organisiert, und die sind losgekoppelt von den Tourist-Info Büros. Warum? Kein Plan. Ich setze mich am Ende in eine Pizzeria mit WiFi und schreibe mir die zu fahrende Route auf ein Blatt Papier.

Radl halt

Radl halt

Tja, und heute komme ich nach ewigen 120 Kilometern, die stets geradeaus, flach und gegen den Wind verlaufen, in Boston an. Ich musste einen Umweg über den Osten nehmen, wollte ich nicht über die Bundesstraße fahren. Was kein Spaß ist. Unterwegs hab ich heute meine ersten Fish & Chips gegessen. In einem kleinen … Dorf würde ich nicht sagen, eher eine handvoll Häuser. Aber in dem Mini-Restaurant habe ich mit meinen bisherigen Erlebnissen die beiden Eigentümer und 3 Gäste in einer lustigen Unterhaltung die Mittagspause verschönern können – ist doch auch mal was, und gibt neue Motivation für die Weiterfahrt :-)

Aber dieser Campingspot ist … DER HAMMER! Mein eigenes Tea-House, WiFi, habe mir um die Ecke ei Bier organisieren können, und habe eeewig viel Platz für mich alleine. Nette Leute sind das hier übrigens alle auf der Insel.

Campsite Boston

Campsite Boston

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Tag 21 bis 24 – Frankreich nach London

September 1st, 2012

London.

Ich muss 4 Tage nachholen, und es ist so viel passiert, dass ich es nicht in einem Blogpost unterbringen kann. Also wieder – viele Bilder und ein bisschen Text ;-)

Mit dem Moment, in dem ich Frankreich betrete, beginnen Kommunikationsprobleme. Franzosen können oder wollen kein Englisch sprechen, ist ja bekannt. Ich habe wirklich versucht (W-I-R-K-L-I-C-H), mich nicht von Vorurteilen leiten zu lassen. In den Bray-Dunes, meinem Campingplatz, versuche ich etwas zu essen zu finden. Die Dialoge laufen in etwa so ab (in dem einzigen Cafe dort):

Parlez vous anglais?
Non.
Okay, est-ce que vous avez quelque chose pour manger?
Manger? Non.
Mh. Okay, une bierre s’il vous plait.

Es folgen fünfhundert Worte in schnellstem Französisch. Ich glaube er macht das mit Absicht.

Ich stehe auf und gehe weg, suche einen Supermarkt auf und mache mir mein Abendessen selbst. Am Abend latsche ich noch über die Dünen, und stoße dabei auch auf ein paar alte Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Vorratsbunker nehme ich an, denn sie waren zur Hälfte in die Dünen versenkt, und hatten nur ein kleines ca. 20cm hohes und 1 Meter breites Guckloch, aus dem früher vielleicht die ein oder andere Gewehrmündung geschaut hat. Auf der höchsten aller Dünen schaue ich mir dann mit einem Triple Karmeliet den Sonnenuntergang an, und begebe mich wieder zu meinem Zelt – in dem ich übrigens Wifi und Strom habe!

Am Folgetag fahre ich weiter nach Dunkerque. Dort fährt eine Fähre rüber nach Dover, wie auch von Calais aus. Aber Dunkerque ist näher und ich denke, dass ich mir dadurch ca. 1 Tag radeln und ein paar Euros sparen kann. Aber erst mal die Küste langtuckern!

Blumen!

Blumen!

In Dunkerque ist es nicht einfach, die Fähre zu finden. Ich sehe zwar den Hafen (riesige schwarze Rußwolken und ein paar Kräne und Schiffe), aber keine Wegweiser. Nachdem ich mich dann irgendwo im Industriegebiet wiederfinde, kehre ich um und suche die lokale Tourist Info auf. Die gerade zu hat. Somit lege ich erst mal eine kleine Rast ein.

Warten auf die Tourist Info

Warten auf die Tourist Info

Dunkerque

Dunkerque

Die Tourist Info ist unfähig. Englisch wird in Brocken gesprochen, die Karte die ich aber erhalte, um zur Fähre zu finden, ist nicht gerade detailiert. So ende ich in Grande-Synthe, von wo aus ich dann von einem äußerst hilfreichen Mädel in der Tourist Info nach Loon Plage geleitet werde. Dort ist nämlich die Fähre. Die man aber auch nicht findet, wenn man nicht weiß wo sie ist, denn – wie ständig in Frankreich – sind die Wege nur für Autos ausgeschildert. Kann schon passieren, dass man mit dem Radl plötzlich auf der Autobahn steht.

Auch hier hilft mir die Tourist Info weiter und am Ende stehe ich auf der Auffahrt Dampfer nach London! Yeehaw!

Auffahrt zur Fähre

Auffahrt zur Fähre

Radl auf Fähre

Radl auf Fähre

Auf dem Schiff

Auf dem Schiff

Und wieder runter

Und wieder runter

In Dover angekommen, ist es bereits dunkel. Als ich die Fähre verlasse, werde ich von den super netten und hilfreichen britischen Polizisten genauestens instruiert, wie ich zu fahren habe, damit mir ja nichts passiert. Ich lande in einem Hostel namens “The Castle”. Heruntergekommen ist’s fei schon ein wenig ;-)

The Castle

The Castle

Radlparkplatz im Castle

Radlparkplatz im Castle

Hier treffe ich auf Charlotte, eine belgische Radltourerin aus Ghent. Mit ihr verbringe ich den Folgetag, an dem wir weiter nach Canterbury radeln. Das heißt – nach meinem ersten English Breakfast:

English Breakfast

English Breakfast

Canterbury ist ne coole Stadt! Klein und touristisch, wohl wegen dem Schloss, aber sehr gemütlich! Dort treffen wir auf Thom und Judith. Thom ist ebenfalls Biketourer und bricht im Oktober in Richtung Thailand auf: http://bigbumblebikeblog.org.uk/ . Außerdem ist heute sein Geburtstag, und so feiern wir bis in die Puppen!

Thom und Judith

Thom und Judith

Am nächsten Morgen haben wir noch ein lecker English Breakfast zu viert, und dann trennen sich unser aller Wege. Ich fahre weiter nach Gillingham, einer Radlroute folgend. Für Charlotte gehts in Richtung Ostküste.

Cheers!

Thom, Judith, Me & Charlotte

Thom, Judith, Me & Charlotte

Als ich gegen 19:00 Uhr in Sittingbourne ankomme, versuche ich dort vergebens eine Unterkunft zu finden. Die ganze Stadt hat gerade mal eine Handvoll B&Bs, keinen Campingplatz, und überteure Hotel. Also radle ich weiter in Richtung London, und beiße gegen 22:30 Uhr in den sauren Apfel und nehme mir ein Hotelzimmer. Der Preis war aber fair, und ich kann mein Radl mit ins Zimmer nehmen.

Hotelzimmer

Hotelzimmer

Cycling Thames

Cycling Thames

In London ist’s dann noch ein Abenteuer, um zu meinem CouchSurfing Arrangemet zu kommen. Von Greenwich kommend lande ich in Südostengland, wo ich dann den Foot Tunnel unter der Themse durch auf die andere Seite nehme. Von dort aus muss ich nun irgendwie nach Norden kommen. Im Dunkeln. Hilfsbereite DLR Mitarbeiter versuchen, mich irgendwie in Zügen unterzubringen, was aber nicht einfach ist. In London sind Fahrräder in der U-Bahn, Overground Trains und Bussen verboten, außer sie sind faltbar. Public Transport fällt also flach. Bleibt ein Black Cab (Taxi), aber die sind Freitag Nachts ebenfalls schwer zu finden.

Ich beschließe, einfach mal der Kompassnadel in Richtung Norden zu folgen. Radeln in London ist kein Spaß.

Ich erreiche dann irgendwann ein Travelodge, und das nette Mädel an der Rezeption handelt mit dem Taxibüro der Firma einen klasse Preis für mich aus, für den dann extra ein Taxi für mich kommt und mich samt meinem Bike zur Couch bringt. Puh. Kaum angekommen, werde ich gleich mit Schnaps und Jägermeister empfangen und in den Bus in Richtung Innenstadt geschubst.

Jetzt sitze ich hier, 13:00, und werde mich gleich wieder in meinen Schlafsack kuscheln und ein wenig den Rausch ausklingen lassen :-)

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Tag 20 – Gegenwind

August 27th, 2012

Bray Dunes.

Dieser Post besteht hauptsächlich aus Bildern, denn ich bin heute faul und will noch zum Strand.

Cool. Das ganze Hostel Zimmer hatte ich für mich. Yeah.

Heute morgen gegen 11:00 mache ich mich auf den Weg, bei strahlendem Sonnenschein. Noch schnell über Fietsnet die beste Route rausgesucht, und ab… in den Gegenwind. 75 Kilometer lang fast nur gerade aus, flach, Gegenwind. Booring.

Kanal.

Kanal.

Noch ein Kanal.

Noch ein Kanal.

Aber als ich dann in Oostende ankam, wurde es doch ganz nett. Zwischendrin musste ich dann auch mal wieder Fähre fahren, sogar kostenlos :) Zwischendurch kam noch Patrick, ein Einwohner, mt dazu und hat mich ca. 15 Minutem in seinem Liegefahrrad begleitet.

Oostende

Oostende

Fähre fahren

Fähre fahren

Alte Schützenhäuser stehen hier auch noch. Sogar die Kanonen sind noch vorhanden!

Bumbum

Bumbum

Dann der Grenzübertritt:

Bonjour Baguette

Bonjour Baguette

Ich chille hier gerade am Campingplatz. Stelle fest: Franzosen reden kein Englisch. Wollen nicht oder können nicht – keine Ahnung, sie tun’s jedenfalls nicht, nicht mal an der Touri-Info. Hab trotzdem hergefunden und mein Reich eingerichtet. Darf ich vorstellen: mein Wäscheradlzeltbaum:

Wäscheradlzeltbaum

Wäscheradlzeltbaum

Wäscheradlzeltbaum

Wäscheradlzeltbaum

Hier gibt’s sogar W-LAN am Zeltplatz und eine Steckdose! Feeettt!

Abendbierbrot

Abendbierbrot

Morgen geht’s recht früh weiter nach Calais, wo ich dann auch die Fähre nach Dover nehmen will. Werde dann wohl gleich in Dover ein Quartier für die Nacht suchen.

Und jetzt (20:07 Uhr): Ab zum See! Biiierrr put put put wo bist du …. ?

Tag 19 – Brügge sehen … und nasswerden

August 26th, 2012

Brügge.

Ich wache in Genter Hostel “De Drake” auf. Die 3 Italiener, mit denen ich mein Zimmer teile, ratzen alle noch. Am Vorabend dachte ich noch, ich teile es mit 3 Mädels. Jedes Bett war faltenfrei bezogen, fein ordentlich lag je ein Rollikoffer darauf, keinerlei Dinge lagen unordentlich zerstreut herum. Wie geht das? Bei mir sieht das immer anders aus.

Ich schludere gegen 9:00 runter in den Frühstückssaal. So langsam hab ich das belgische Brot wirklich satt. Ist eigentlich nichts anderes als Toastbrot. Manchmal steht auch ein Toaster da. Zur Auswahl steht dann Vorderschinken, Käse, und eine wilde Auswahl aus kleinen Packungen Nutella, Frischkäse, manchmal auch Butter und Marmelade. Der O-Saft ist hier eigentlich nur Wasser mit Sirup, und der Kaffee schmeckt wie Muggefug. Aber immerhin Frühstück :-)

Was eher nervig ist, ist das durchweg heulende Baby. Wie kommen Eltern denn drauf, ihren 3 Monate alten Säugling mit in ein Hostel zu nehmen? Ist doch für alle Beteiligten Unfug. Außerdem nervig ist meine Tischnachbarin, Französin, die schmazt. BOAH. Da krieg ich den totalen Rappel, wenn Menschen es trotz keinerlei anatomischer Benachteiligung nicht schaffen, beim Kauen den Mund zu schließen. Schlimmer als Fingernägel auf der Tafel. In diesen Momenten wünschte ich wirklich, ich würde in meinem Zelt irgendwo auf dem Campingplatz oder im Wald aufwachen. Aber das kann ich eben nur, wenn ich gerade keine Stadt anschauen möchte und keinen sicheren Platz für mein Gepäck brauche.

Nördlich von Brüssel beginnt das Paradies für Fahrradfahrer. Im Süden quasi nicht vorhanden, existieren im nördlichen Belgien etliche Radwege, die systematisch dokumentiert sind. Und das System ist genial! Es besteht nicht aus verschiedenen Fahrradwegen, sondern aus Wegpunkten. Wie das aussieht, kann man sich auf http://fietsnet.be/ zeigen lassen. Einfach mal die Website öffnen, und es wird einem direkt ein Kartennetz präsentiert, das gesät ist mit nummerierten Punkten.

Die Wegweiser bestehen am Ende dann aus einer der 4 Farben (eine für jede Himmelsrichtung – wer nach Westen will, folgt den grünen Schildern) und dem Punkt, den man als nächstes auf der derzeit befahrenen Straße erreicht. Genial, denn es ermöglicht unendliche Variationen der Routen. Man kann nach Brügge einfach dem Kanal folgen. Oder quer durch das Land von Punkt zu Punkt radeln, ohne auch nur in die Nähe von Bundesstraßen oder Autobahnen zu geraten. Hut ab!

Radl Wegweiser

Radl Wegweiser

Diese Karten gibt’s übrigens auch als OpenSource Alternative, um sich die Karten auf eventuelle GPS Systeme herunterladen zu können. Wer das will.

Okay, also radle ich gegen 10:00 Uhr los. Es ist Regen angekündigt, und ich hoffe, dass ich das ca 45 Kilometer entfernte Brügge erreiche, bevor’s losgeht. Hat nicht geklappt.

Ich spiele mit dem Gedanken, hier unter der Brücke meinen Campingkocher auszupacken und mir einen Kaffee zu kochen. Hat letztes Mal ja nicht so gut geklappt, und ich könnte üben. Hier ist überall Asphalt, da kann nix anbrennen. Und selbst wenn – es regnet ja eh.

Doch gerade als ich die Tasche öffnen will, verzieht sich der Regen. Die Wolken bleiben zwar, aber das hindert ja nicht am weiter radeln. Komme auch gleich an einem Wegweiser vorbei, von dem ich mich irgendwie angesprochen fühle.

Aalter!

Aalter!

Auf dem ganzen Weg nach Brügge werde ich weiterhin von einer bösen Wolke bedroht. Doch sie wartet freundlicherweise auf mich, bis ich im Hostel ankomme.

Böse Wolke!

Böse Wolke!

Kaum eingecheckt, kann sie’s wohl nicht mehr halten und lässt Wasser. Im wahrsten Sinne. Ist halt DIE Wolke. Frauenblasen und so. Ohje, ist der schlecht.

Wasserlassen

Wasserlassen

Da fällt mir ein, heute ist Samstag. Morgen möcht ich ja eigentlich weiter nach Dunkerque. Und da es bereits 17:00 Uhr ist, und hier in dem Örtchen die Geschäfte bereits gegen 18:00 Uhr schließen, springe ich noch schnell auf der anderen Straßenseite zum Aldi. Habe zwar kein Cash, aber meine EC- und Kreditkarten wurden bisher überall akzeptiert. Rein in Aldi, Trockenwurst, Buttersemmeln und etwas Obst zusammengesucht – an der Kasse – EC Karte nicht akzeptiert. Visa kann das Gerät erst gar nicht. Also musste noch ein 2 Kilometer Umweg über die nächstgelegene Bank gemacht werden.

Neben dem Aldi gab’s gleich noch einen C&A, bei dem ich mir noch für 5,- EUR einen Zehnerpack Socken kaufen kann. Cool! Hab nämlich nur 3 Paar dabei, und die sind schon durchlöchert.

Am Abend mach ich mich dann auf den Weg in die Stadt. Nicht groß Sightseeing, sondern einfach ein bisschen die Stadt fühlen. Es ist sehr windig, und Wolken aller Art ziehen recht schnell durch den Ort. Dadurch ist das Risiko eines Dauerregens äußerst gering.

Fällt direkt auf: Kutschen. Echte Pferdekutschen führen Touristen im Wagon durch die Stadt, und erzählen Stories und Geschichten. Nette Idee. Und sind echt viele von den Dingern unterwegs!

Kutsche

Kutsche

Brügge besteht – wie Gent – überwiegend aus Kanälen, Türmen, Burgen, alten Häusern. Wobei viele Häuser gar nicht wirklich alt sind, aber im Vintage-Stil besser ins Stadtbild passen. Brügge wird übrigens auch “Das Venedig des Nordens” genannt. Und seit dem Film “Brügge – sehen und sterben” ist die Stadt von Touristen absolut überlaufen. Brutal. So viele Touristen in so einer kleinen Stadt. Kein Wunder, dass die Einheimischen hier keinen Bock mehr drauf haben.

Der Belfort Turm auf dem Marktplatz ist riesig. Wenn man nicht hochschaut würde man ihn gar nicht bemerken.

Brügger

Brügger “Belfort” Glockenturm

Burg

Burg

Diese Mopeds hier sind böse! Sie sind schweinelaut, ziemlich schnell, haben meist kein Nummernschild und werden von Jugendlichen über die Radlwege gejagt. Einmal sogar so knapp, dass ich vor Schreck einen lauten Arschloch-Schrei loslasse. Passiert mir selten.

Böses Moped!

Böses Moped!

Im Jahre 1631 haben niederländische Truppen eine Kanone in Brügge zurückgelassen. Bis heute weiß keiner, wie sie kopfüber im Gehweg gelandet ist.

Kanone!

Kanone!

Kutsche

Kutsche

Der Tourist Guide, den man in Papierform in jedem Hostel kriegt, empfiehlt eine Brasserie namens “Medard”. Ich gehe rein, und bemerke erst gar nicht, dass der Eigentümer seit 5 Sekunden hinter mir steht und mich auf belgisch fragt, ob er mir denn helfen könne. Erst als ich mich umdrehe und in sein verdutztes Gesicht blicke, verstehe ich, dass er unfreiwillig Monolog führt. Er ist zwar ausgebucht, aber ich kann mich trotzdem ca. 1 Stunde lang niedersetzen. Ich bestelle ein Bier (ein lokales Brugse Zot vom Fass). Normales Bierchen. Wie Becks. Dazu eine große Portion Spaghetti. Wird von einem kleinen fetten Jungen serviert, der vor der Glotze sitzt und Zeichentrick guckt.

Spaghetti

Spaghetti

Das ist das erste Mal auf der Reise, dass ich so viel esse, dass ich fast platzen könnte. Die Spaghetti sind zwar nicht besonders – al dente ist anders – aber dafür eine echt leckere Bolognese Sauce und viiiiieeeel Nudeln. Kohlehydrate. Für – zusammen – 10,- sehr fair, ist schließlich direkt in der Innenstadt.

Im Anschluss (es ist ca. 19:30 Uhr) will ich mich noch im “‘T Brugs Beertje” vollaufen lassen. Der Pub hat alle belgischen Biersorten. Also kann ich noch ein paar von meiner Liste streichen. Aber erst brauch ich noch einen Kaffee, denn ich bin müde. Und wenn ich müde bin, bin ich auch introvertiert und gedanklich nicht auf der Höhe, sodass flapsige Gespräche im Pub ausbleiben würden.

Im Pub mach ich dann gleich zu Beginn den Fehler, ein Rochefort 10 zu bestellen. Hat einen Alkoholgehalt von 11,3%. Puh. Im Anschluss muss ich natürlich bei starkem Bier bleiben, sonst schmeckt’s wie … Also wird’s im Laufe des Abends noch ein Malheur (12%), ein Carolus (11,2%) und ein Bush (9%). Schmecken alle sehr stark, klar, aber ganz lecker.

In dem Pub läuft den ganzen Tag nur klassische Musik. “Quiet atmosphere and a good beer – that’s our mantra for alomst 30 years now”.

Nach einem netten Plausch mit den Baarkeepern und anderen Touristen, die sich wie ich an der Theke volllaufen lassen, torkle ich gegen Mitternacht auf dem Weg nach hause an einem Frittenstand vorbei und lasse mir noch eine Wegzehrung mitgeben.

In meinem Zimmer spukt es. Da schlafen 3 andere Kerle drin. Mir egal. Aber als ich am Morgen aufwache, sind sie weg. Das Bettzeug ist aber noch da. Die Koffer nicht. Sehr eigenartig.

Neben dem Fenster ist eine große Wasserpfütze, denn wir hatten über Nacht das Fenster offen gelassen, und es hat reingeregnet. Doof, aber hat keinen Schaden angerichtet. Frühstück gibt’s hier nur bis 9:00, also gönne ich mir wieder lecker … Toastbrot …

Draußen regnet es weiterhin, also habe ich kurzerhand beschlossen, heute einen Tag blau zu machen, und habe meinen Aufenthalt hier verlängert. Genug Zeit also, um wichtige Sachen zu tun. Wie bloggen ;-) Als ich mit “Hey, Fabian!” begrüßt werde, stehen da – die 3 Italiener aus dem Genter Hostel.

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Tag 17 / 18 – Brüssel und Gent

August 24th, 2012

Gent.

Brüssel leidet unter der selben Krankheit wie bisher alle belgischen Städte. Hab ich auch schonmal hier beschrieben. Die Städte haben immer zwei Gesichter. Sie sehen allesamt auf den ersten Blick vergammelt, alt, ungepflegt, trist, farblos aus. Meist um den Stadtkern herum. Ist man aber dann downtown, geht’s richtig zur Sache. In München wäre daher z.b. Party am Marienplatz, aber in Maxvorstadt würden schon die kaputten Straßen beginnen, Müllsäcke auf den Straßen stehen, der Putz von den Häusern bröckeln.

Gut, dass ich einige Tipps von Locals (und nat. dir, Ben!) gekriegt hab, wo ich mich aufzuhalten und was ich anzuschauen habe. Denn man betritt in Brüssel zum Beispiel in der Innenstadt eine ganz neue Welt. Ist in München zwar auch so, aber cool ist’s dort überall – in belgischen Städten muss man irgendwie schon wissen, wo man hinwill.

Aber kurz nochmal ausgeholt: Ich wache in Brüssel in dem NH Hotel auf. Am Vorabend habe ich ja notgedrungen dort eingecheckt. Für Business Preise. Während klassische Musik durch die Boxen tuschelt und der Rezeptionsmeister in seinem Frack doof dahergrinst. Und mich die Leute in der Lobby doof anschauen. Und sich im Aufzug die Mitfahrer angeekelt wegdrehen.

Snobs, nehmt dies!

Luxury

Luxury

Am Frühstücksbüffet – bei Klassischer Musik – fülle ich meinen Teller mit Bacon, Rührei, Würstchen, 4 Semmeln, (zwei davon als Proviant), Joghurt mit Früchten, 1 Stück Kuchen und Nutella, 3 Gläsern O-Saft (damit ich nicht so oft laufen muss bei den doofen 0,2 Dingern) und einem Kaffee. Ist ein Tisch für 2 Personen. Die zweite hätte aber keinen Platz mehr gehabt :-)

Ich beobachte einen spanischen Herren, der versucht mit gebrochenem Englisch der Servicekraft, die ohnehin schon dauernd am Nachfüllen verschiedener Platten ist, zu erklären, dass er Rührei will. Sie erklärt ihm binnen 2 Minuten etwa 3x, dass er sich noch ein wenig Gedulden muss. Er beginnt, beendet und konjungiert jeden Satz mit “eeeh… eh. ehhh.”. Aber er hat ‘nen Armani an!

Lege mich dann nochmal 1 Stunde oben ins Bett und chille. Ist ja erst 10:30 Uhr und Check-Out ist um 12.

Ich belade mein Radl anschließend in der Tiefgarage, geparkt neben einem Lexus Kombi.ich schiebe es die Auffahrt hoch und komme unter komischen Blicken einiger Passanten in einer Seitenstraße raus. Hatte kurz überlegt, das Radl im Aufzug in die Lobby zu fahren und dort dann an der Rezeption vorbei nach draußen zu schieben. Aber das wäre wohl zu viel des Guten gewesen.

Erster Spot des Tages: Das Hostel. Will mir ja in Ruhe die Stadt anschauen und heute Abend ordentlich feiern gehen. Da brauch ich ne Schlafmöglichkeit in der Nähe, und einen sicheren Platz fürs Radl. Das Hostel ist cool, das Dormitory wird mit 3 Franzosen geteilt, alle ca. 20. Passt!

Next Step: Futtern! Pommes. Belgische Pommes. Frit Flagey ist hier der Master, wie die Villa Dante / L’Osteria in München. Auf der Fahrt dorthin komme ich an dem Fluss vorbei, der Brüssel teilt. Irgendwie schon ein hässliches Ding.

Senne

Senne

Senne (2)

Senne (2)

Die Pommes sind lecker. Klar. Belgien. Pommes sind hier aber eher ein quantitatives und kulturelles Erlebnis, als ein kulinarisches. Sie sind lecker. Genauso lecker wie man es in einem guten Steakhouse in Deutschland erwarten würde. Nur dass man hier die Fritten in der Qualität auch am Stand um die Ecke kriegt. Dazu dann noch eine gute Sauce – Voilá!

Frit Flagey

Frit Flagey

Direkt nebenan ist noch ein Bikeshop, wo ich kostenlos meine Reifen wieder auf ca. 7 Bar aufpumpen kann. Nach inzwischen ca. 1300 Kilometern ist da schon leicht die Puste raus. Aber nur leicht. Pumpipumpi – weiter zum Sightseeing.

Manneken Pis als erstes. Handelt sich hierbei um die Statue “zu Ehren” eines kleinen Jungen, der zu früheren Zeiten gerne mal in die Gassen gepinkelt hat. Heute ist er ein Wahrzeichen der Stadt, und wird auch gegebenen Anlässen passend eingekleidet. Zum Beispiel mit dem Nationaltrikot bei Länderspielen.

Manneken Pis

Manneken Pis

Mh. Keine Lust mehr. Auf Sightseeing. Ich begebe mich zum Groten Markt und halte Ausschau nach Deutschen Studenten. Vielleicht erwische ich ja ein Grüppchen, das heute feierlustig ist.

Nö.

Grote Markt

Grote Markt

Grote Markt

Grote Markt

Grote Markt

Grote Markt

Zurück zum Hostel, ich will mein Radl wegsperren. Das hatte ich nämlich mitgenommen, um mich einfacher orientieren zu können. Zu Fuß in die falsche Richtung laufen ist doof.

Cooles Personal, lässt mich mein Radl – ausnahmsweise – im Gepäckzwinger unterstellen, statt wie üblich auf dem Parkplatz.

Radl im Zwinger

Radl im Zwinger

18:30 – Zeit, dass die ersten Biere fließen! Vom Hostel sind es zu Fuß 15 Minuten zum Groten Platz, wo sich gleich um die Ecke das Delirium Café befindet. Es wurde 2004  mit dem Guinnes World Record für die größte Biervielfalt ausgezeichnet. Perfekt!

Durch die kleinen verwinkelten Gassen hindurch – super gemütlich!!! – gehe ich die Treppen runter. Noch nicht viel los. Ist ja auch erst 19 Uhr. Ich bestelle mir trotzdem schonmal ein Bier von der Liste, die ich noch von Francois habe.

Los geht’s mit einem Duvel. Sprudelig, schaumig. Naja. Löwenbräu. Was aber ganz cool ist: In Belgien wird das Bier überall in weinglasartigen Gefäßen serviert, die auch immer die Aufschrift des jwlg. Bieres haben. Die Biervielfalt ist in jedem Lokal recht groß, mindestens 10 verschiedene Sorten gibt´s immer.

Duvel

Duvel

Schnell weg damit und das nächste. Ein … (trommelwirbel) … Delirium Tremens. Ein Tipp von Phillipe. Ist vom Fass und das schmeckt man. Dieses ledrige. Außerdem spüre ich die 8,5% Alkohol. Sehr lecker!

Das nächste ist ein Tripel Karmeliet. Auf Anraten von Ben probiert und wirklich, das beste Bier das ich hier in Belgien bisher probiert habe! Schmeckt etwas verräuchert, etwa 8,4% Alkoholgehalt.

In den vergangenen Tagen habe ich noch Saxo, Gauloises und Jupiter probiert – die schmecken aber allesamt wie Becks.

Delirium Café

Delirium Café

Ich bin ganz gut dabei, merke aber dass ich mehr Grundlage brauche. Also verlasse ich das Delirium Café, gönne mir beim Chinesen um die Ecke Rindfleisch auf Reis und Gemüse. Und dazu ein Tsingtao (Chinesisches Bier). Der Kellner, ein Inder (?) ist total angetan von meiner Reise, und wir ratschen ein wenig. Dann begebe ich mich zurück ins Delirium Café, welches sich schon ein wenig gefüllt hat.

Delirium Café

Delirium Café

Im Laufe des Abends komme ich mit Matt ins Gespräch. Er wohnt in Newcastle, an der Englisch-Schottischen Grenze. Hat mal in Berlin gewohnt oder ist dort geboren oder hat dort studiert – ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls bietet er mir einen Schlafplatz an, wenn ich durch diesen Ort auf meiner Reise komme. Außerdem spendiert er mir mein nächstes Bier (Westmale Triple – Sauuulecker!). Coole Aktion!

Später am Abend komm ich dann noch mit zwei Zahnärzten aus Sao Paulo ins Gespräch. Sie schauen sich Europa an und werden in ein paar Wochen in München sein. Schön, dass ich auch mal Tipps geben kann :-)

Nachdem wir dann noch 2 Stunden lang bei der Live-Jam-Session mitgefeiert haben, torkle ich nach Hause. Unterwegs nehme ich mir noch ein paar Fritten mit. Und falle ins Bett. die Franzosen sind noch nicht da. Ist ja auch erst 1:30 Uhr. Diese Jugend …

Impressions of Delirium (vorsicht LAUT!):

Am Morgen springe ich um 9:00 unter die Dusche, packe mein Zeug, frühstücke eine Kleinigkeit und radle los in Richtung Gent. Wow! Radwege! Nur für mich! Doof nur, dass es nach Gent nuuuur flaaaach und nur geraaaadee auuuuus geht. 80 Kilometer weit. Und die ganze Zeit an einer Landstraße entlang. Autos stinken im Übrigen extrem nach Abgasen hier in Belgien. Als hätte hier jeder den KAT entfernt. Habe dauernd meinen Motorradschal vorm Mund, weil ich sonst echt Halsweh kriege. Ich Weichei.

Nachdem ich hier in Gent im Hostel eingecheckt und mein Radl sicher verstaut habe, gönne ich mir ein paar Spare Ribs und Fries. Habe leider vergessen ein Vorher-Nachher Bild zu machen. Habe nur ein Nachher. Hier das Nachher:

Spare Ribs weg.

Spare Ribs weg.

Und dazu natürlich ein Bierchen:

Orval

Orval

Nun sitze ich in einer Bar nebenan, heißt “Het Spijker”. Sau coole Mucke! Und ein Bierchen – “Tangerlo”.

Het Spijker

Het Spijker

Het Spijker

Het Spijker

Ist nun 21:10 Uhr. Ich gönne mir noch ein letztes Bier und werde mich dann in Richtung Hostel begeben. Morgen geht’s nach Brügge!

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Tag 17 – Brüsselerei

August 22nd, 2012

Namur.

Um 10:00 Uhr mache ich mich nach einem sehr leckeren Frühstück im Hostel auf den Weg in Richtung Brüssel. Gar nicht so einfach, dem VR10 zu folgen beziehungsweise erst mal den Anfang zu finden. Verkehrsschilder gibt’s nicht, der Weg wird lediglich durch Blau-Gelbe Zeichen gekennzeichnet. Durch Sticker oder Pinselmalerei. Ähnlich den Wanderwegen in den Alpen.

2 Mädels erklärten mir dann schlussendlich doch ganz gut den Weg. Die eine wusste wo ich hin musste, die andere hat übersetzt :-)

Auf dem Weg zu bleiben ist allein aber auch schon eine Herausforderung, denn nicht an jeder Kreuzung sind diese Zeichen angebracht. Dann heißt es, einfach auf gut Glück mal eine Straße lang fahren und schauen, ob Zeichen folgen. Wenn nicht – umdrehen.

Es kommt auch durchaus vor, dass Zeichen sich widersprechen. Dann muss der Kompass her ;-)

Im Vergleich zu dem bisher Gewesenen ist die Strecke von Namur nach Brüssel äußerst entspannt. Bis auf den Gegenwind. Aber mei.

In La Haupe stößt Phillipe zu mir, und radelt mit mir gemeinsam ein Stück. Er selbst ist letztes Jahr mit dem Radl von Belgien nach Frankreich geradelt. Hat aber wohl nach 3 Wochen aufgegeben. Er führt mich durch den Stadtpark, durch den mich der VR10 ohnehin führt. Allerdings verfranzen wir uns ein wenig, und das kostet mich etwa eine halbe Stunde.

Ist aber halb so wild. Denn als ich gegen 20:00 endlich in Brüssel, genauer am Place Polaert, ankomme, bin ich gerade rechtzeitig, um den Sonnenuntergang noch zu erleben.

Place Polaert

Place Polaert

Place Polaert (2)

Place Polaert (2)

Anschließend mache ich mich auf die Suche nach meinem Hostel. Schließlich habe ich das bereits im Voraus gebucht. Zum ersten Mal. Eigentlich hab ich im Hostel bisher immer einen Platz gekriegt, aber in Brüssel war ich mir nicht so recht sicher. Doof: man muss im Voraus bezahlen.

Kurz: ich habe es in den Weiten der Brüsseler Straßen nicht gefunden. Gegen 22:30 gebe ich die Suche im Dunkeln auf, als ich wieder auf dem Place Polaert stehe. Ich frage mich durch nach günstigen Hotels, doch das einzige was jetzt gerade noch ein Zimmer frei hat ist das NH. Ein Business Hotel. Alles Schlipsträger. Da sorge ich mit meinem Radloutfit durchaus führ Aufsehen ;) Naja, wohl irgendwie schon eber ein ABsehen.

Schon lächerlich eigentlich. Wenn ich hier im Geschäftsrahmen mit Hemd und Hose ankommen würde, wäre alles in Ordnung. So aber sorge ich für voll Ekel erregter Gesichter. Stört mich aber nicht im geringsten. Ich kann nämlich ausschlafen, im Gegensatz zu den anderen. Und muss nicht nachts um 11 ein doofes Grinsegesicht hinter’m Rezeptionsthresen machen.

Was mich stört ist der Preis. Zu teuer als dass ich es hier erwähnen möchte. Ich fühle mich irgendwie als Ketzer in meiner eigenen Reisereligion.

Etwas zu essen zu finden stellt sich ebenfalls als Herausforderung dar. Meinen Kocher kann ich ja hier im 4-Sterne-Hotelzimmer nicht auspacken. Also futter ich erstmal meine Trockensalami auf dem Bett und Krümel das Kopfkissen zudem mit Waffeln voll. Irgendwie brauch ich das grad. Assi sein. Spott dem Nobel durch Assitum.

Anschließend schlendere ich durch die Straßen und gönne mir beim Italiener noch eine Pizza und ein Bier. Morgen werde ich wohl gleich das Hostel aufsuchen, mich einnisten, und dann durch die Stadt ziehen.

Und ganz ehrlich: ein wenig depressiv macht mich dieser Nobel-Standart hier im Hotel schon. Nach 2 Wochen Einfachleben. Letzteres gefällt mir besser. Ich glaube, ich leg mich mit meiner Luftmatratze auf den Boden.